Ziele, Vorhaben und Bedürfnisse

Die letzte Zeit ist enorm. So viele Gedanken, die geordnet werden wollen, bedacht & erlebt werden. Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich diesen Text schon überarbeitet habe. Nichts bleibt wie es ist. Alles verändert sich. Von einem Moment zum Nächsten.

Begonnen hat alles mit der urplötzlichen Angst vor einer Krankheit, die mein Leben komplett verändert und es mir im Endeffekt auch gekostet hätte. Ich war unzufrieden. Etwas stimmte nicht mit meinem Leben. Etwas war gänzlich „falsch“. Ein seltsames Gefühl… Als wäre ich eingesponnen in einen Kokon und nicht wirklich am Leben. Mir wurde klar, dass dieser Kokon zu einem großen Teil aus scheinbaren Sicherheiten und Ängsten besteht. Das Bedürfnis entstand, mein Leben grundsätzlich zu verändern, um wirklich „zufrieden sein“ zu können. Meine Freunde, mein Liebster, meine Arbeit, Hobbies, meine Eigentümer, Glaubensvorstellungen usw. Was ist wirklich wichtig? Und warum habe ich nicht den Mut aus meinem Kokon auszubrechen?

Ab diesen Zeitpunkt begann ich alles zu hinterfragen. Mein letzter Beitrag war das erste Ergebnis daraus… Doch es geht weiter… Und immer wieder kommen neue Aspekte hinzu…

Dieser Vorgang zehrt an meinen Kräften, und in manchen Situationen wurde ich richtiggehend aggressiv. Mein Kopf fühlte sich an, als würde er zerspringen. Manchmal drohten all die Gedanken und Gefühle über mich hinweg zu brechen. Doch keiner, nicht mal ich selbst, hätte es verstanden. Zu undurchsichtig, zu verstrickt, zu umfassend um es im Ganzen zu erfassen. Oft war ich betrübt und sämtliche Aktivitäten waren mir zu mühsam. Es fehlte mir an Aufmerksamkeit, an Antrieb und vor allem an der Liebe für das, was ich tat. Hat überhaupt irgendetwas wirklich Sinn?

Meine Träume, Körperlichkeiten und sogar ein besonderes Tier, die Spinne, begleiteten und führten mich in dieser Zeit. Denn auch wenn mich alles schnell ermüdete, so war es mir doch wichtig und möglich dahinter zu blicken. Hinzusehen, zu beobachten und meine Schlüsse zu ziehen. Ich bin stolz auf mich. Denn es „Tut“ sich was. Das ist das magische Wort dieser Zeit. Das TUN…

Ich habe das Bedürfnis meine Gedanken zu teilen. Sie verständlich zu machen um vielleicht auch verstanden zu werden. Doch ich weiß nun, dass eben diese Bedürfnisse und Vorhaben und vor allem mein Festhalten an ihnen, mich in diese Situation gebracht haben. Darum lasse ich dieses Vorhaben jetzt los. Ich schreibe für mich. Vielleicht veröffentliche ich es. Vielleicht nicht. Es spielt keine Rolle. Es ist gut, wie es ist… Immer mit der Ruhe… Immer mit der Ruhe…

Stille ist nicht die Abwesenheit von Klang. Sie ist die Abwesenheit von Zeit. Stille herrscht im Augenblick.

Ich nahm mir die Zeit. Setzte mich in den „wilden Garten“. Setzte mich und lauschte. Lauschte in die Natur und in mich hinein und bemerkte – nicht zum ersten Mal – dass das Ein und das Selbe war. Und ich begann mit mir zu sprechen:

„Du bist süchtig danach, Pläne zu schmieden. Deine Gedanken kreisen ständig von einem Ziel zum Nächsten… Wann bist du wirklich bei der Sache? Wenn du dem Tod gegenüberstehst – was bleibt dann über von deinen Plänen? Was bringen sie dir wirklich? Sieh hin, was passiert! Dein Geist ist so sehr damit beschäftigt über deine zukünftigen Handlungen nachzudenken. Deine Energie verliert sich in deinem Denken und dann wunderst du dich, dass dir die Motivation und die Kraft zur Umsetzung des Bedachten fehlt. Doch nur das, was in die Tat umgesetzt wird, ist echt und manifest in deinem Leben.

Aber wie kann ich das ändern? Wo fange ich an?

Veränderung darf nicht zu einem Ziel werden. Lass deine Ideale los – egal wie edel sie wirken… Das Ideal wie dein Leben aussehen soll, wie die Gesellschaft oder deine Beziehungen sein sollen, wie du selbst deiner (oder anderer) Meinung nach sein solltest. Du denkst, du tust dir mit diesen Idealen etwas Gutes. Sie sollen dir eine Richtung vorgeben in die du gehen willst, etwas wofür es sich zu leben lohnt. Ein sicheres Pflaster auf deinen Weg. Doch diese Ideale werden zu einem Räuber – deiner Zeit, deiner Energie und deiner Kraft, die du zum kreativen Sein benötigst. Du legst dich in Ketten, machst dich zum Opfer deiner Umstände, deiner Mitmenschen oder deiner Anforderungen an dich selbst. Sie zu erreichen wird zu einer Aufgabe die du, wenn nötig gewaltsam, manchmal unter Tränen, voller Angst oder Zweifel erkämpfen willst. Wut, Angst, Zorn, Unzufriedenheit entstehen und entstellen dich. Deine Sicht ist begrenzt und betrübt. Ideale sind trügerisch. Kannst du dir jemals sicher sein, sie zu erreichen? Würdest du es erkennen, wenn du sie erreicht hast? Und könntest du dir sicher sein, dass du das Erreichte nicht wieder verlierst? Wieviel Energie müsstest du aufwenden um sie fest zu halten? Es ist menschlich nach Sicherheit zu streben. Es wird dir anerzogen dich vor anderen, der „bösen, unberechenbaren Welt“ und vor Verlusten zu schützen. Verurteile dich nicht dafür…

Du hast die Möglichkeit erkannt, dein Leben bewusst zu „verbesseren“. Zu lernen deine Gedanken zu steuern. Doch welche Absicht steht dahinter? Wieder die Sicherheit? Die Sicherheit ein schönes Leben zu führen und glücklich zu sein? Doch was passiert wenn du damit aufhörst? Wenn du das innere Unkraut nicht mehr jätest? Den Boden nicht mehr düngst? Diese Pflanzen wachsen – weil du es so willst – aber sobald du aufhörst deinen Teil dafür zu tun, vergehen sie. So wird wieder eine Notwendigkeit, ein Bedürfnis, ein Zwang erschaffen… Erkenne den wilden Garten in dir. Liebe ihn, so wie er ist. Mit all seinen Unkräutern. Wer bestimmt was Un-Kraut ist, und was nicht? Niemand außer du selbst… Und auch Unkraut kann wunderschön blühen und heilsame Kräfte in sich tragen. Säe deine Träume & Visionen wie Samen. Aber zwinge sie nicht zu wachsen. Erwarte nichts und lass ihnen Zeit! Die Beschaffenheit des Bodens bestimmt, was wächst und gedeiht. Allein deine innige und reine Liebe zum wilden Garten ist ihr Nährstoff… Er erfordert kein ständiges Mühen und „im Zaum halten“. Entferne lediglich Altes und Abgestorbenes, damit Neues wachsen kann.

Doch warum überhaupt dieser Hang zur Sicherheit? Warum der Drang alles festzuhalten und nichts verlieren zu wollen. Ist es so unvorstellbar EINFACH zu Sein? Das Leben als das zu erkennen, was es ist? Unbegrenzt, unsicher, wild… Leg deinen Ballast ab, tue es ohne Schuldgefühle, ohne Absicht. Öffne dein Herz und liebe was du siehst, sieh, was du liebst, sieh was du hasst, oder wovor du Angst hast. Bewerte es nicht. Verurteile dich nicht. Sie einfach hin. Es ist eine Möglichkeit das Leben zu erfahren. Nicht mehr – nicht weniger.


Was sind Ziele überhaupt?

Ein Ziel, eine Vision, eine Idee, ein Wunsch – einen Zustand, eine Lebensart, ein Projekt, ein Ideal von dir Selbst, dass du erreichen möchtest. Etwas, nach dem du strebst. Etwas, dass dir wichtig ist. Das dich glücklich und zufrieden macht.

Sobald du ein Ziel hast, existiert einerseits der Ist-Zustand und andererseits – das Ziel. Dazwischen liegt die Zeit, die du bis zum Erreichen des Ziels benötigst. Und in der Zeit liegt die Dualität mit all ihrem Für und Wider.

Leid und Angst entsteht in dem Glauben, dass du, so wie du jetzt bist oder wie etwas ist – nicht richtig oder gut (genug) bist. Du glaubst, etwas verändern oder verbessern zu müssen. Alle Eigenschaftswörter in ihrer Steigerung deuten darauf hin. Wenn du etwas „werden“ oder „haben“ willst und jedes „wenn-dann-sonst“. (Dieses Spiel zieht sich durch alle Bereiche deines Lebens. Auch deine Beziehungen. Denk nur an Momente, in denen du von deinem Partner etwas bekommen möchtest. Verständnis, Mitgefühl usw.)

Hier wird nun auch die Erwartung an ein (bestimmtes) Ergebnis geboren. Es gibt Momente in denen diese Erwartung erfüllt wird und du einen Schritt weiter kommst. Dann ist das Leben schön und die Freude groß. Doch wie lange? Wie lange freust du dich daran? Denn früher oder später kommen Momente, in denen etwas passiert mit dem du nicht gerechnet hast, etwas das nicht in dein „Bild“ passt. Und hier wird es dir „unangenehm“. Denn dieses Hindernis muss überwunden oder verstanden werden. Du beginnst zu kämpfen und dich in deinem Kokon zu winden, denn du fühlst dich übergangen, unterdrückt, weißt nicht wie es weitergehen soll, verlierst dich in endlosen Gedanken über die Lösung deines „Problems“… Findest du keinen Ausweg, verlierst du den Antrieb – bist geschwächt und wirst vielleicht krank. Oder dir fehlt schlicht und einfach die Energie um irgendetwas an der Situation zu ändern. Und diese Untätigkeit verschafft dir wiederum Schuldgefühle, weil du einfach nicht deinen A**** hochbekommst. Weil du wieder nicht „so bist“ wie du doch eigentlich sein solltest. Du bist schon „zu lange“ traurig und frustriert. Du kämpfst mit dir Selbst und versuchst verzweifelt deinen Freiraum wieder zu bekommen.

So schafft dein Ziel Freude und Leid. Denn in dieser Zeit zwischen dem was ist und dem was sein soll, wird gnadenlos aussortiert und bewertet. Gut – schlecht, hilfreich – nicht hilfreich. Diese Bewertung beeinflusst wiederum deine Gefühle, dein Denken und sie verändert deine Wahrnehmung von dir, der Welt und den „Botschaften“ die du vom Leben erhältst.

Was ist nun der richtige Weg mit diesem „Drama“ umzugehen? Sind Ziele wirklich notwendig? Braucht der Mensch ein Ziel um sich zu entwickeln? Um „anzukommen“? Um etwas zu erreichen? Ist es schlecht Ziele zu haben? Oder Ideale? Kann ich das Ziel haben, kein Ziel zu haben?

Wenn du dir verinnerlichst und wahrhaft verstehst, was vorhin gesagt wurde – weißt du die Antworten auf diese Fragen.


Wie entsteht ein Ziel?

Jede Idee, jeder Impuls, der nicht zu einer Handlung im Augenblick führt, sondern auf einen späteren Zeitpunkt vertagt wird, wird zu einem Ziel bzw. einen Vorhaben. Du hast gelernt, deine Impulse zu kontrollieren, sie zu hinterfragen, in Ziele „umzuwandeln“… Denn JETZT ist nicht der richtige Zeitpunkt, oder JETZT hast du die Fähigkeiten dazu nicht. Aber wenn du es wirklich willst, kannst du es „irgendwann“ erreichen. Dann hältst du an dem Ziel fest und machst deinen Selbstwert und dein seelische Befinden mehr oder weniger, vom Erreichen dieses Ziels abhängig. Hier beginnt dein Leiden.

Denn setzt du es nicht um – bewegst du dich aus welchen Gründen auch immer – nicht auf dieses Ziel zu und die Idee dahinter verhärtet sich und wird dadurch immer schwieriger auszuführen – wirst du wütend, traurig, zweifelst an dir, wirst mutlos oder verlierst deinen Antrieb… So vergiftest du deinen kreativen Fluss. Irgendwann ist kein Platz mehr für neue Impulse oder du unterdrückst sie, weil du „schon genug anderes zu tun hast“. Denn wenn der Geist überladen ist, wenn du ihn mit deinen Vorhaben begrenzt, ist es nur schwer möglich, neue Impulse wahrzunehmen oder zu empfangen. Der Zeitraum zwischen dem was ist und dem was sein sollte, schafft auf die Dauer in dir einen Konflikt, der dir die Kraft nimmt, deinen Impulsen JETZT zu folgen.

Wie kann ich dem entgegenwirken? Wie erkenne ich meine Ziele?

Jede Bewertung ist ein Hinweis darauf, dass eine Erwartung oder eine Vorstellung erfüllt werden soll. Das eine Handlung dem Erreichen eines Zieles dienlich oder nicht dienlich ist.

Wenn du merkst, dass du auf der Stelle trittst und scheinbar nicht „vorankommst“ – lass deine Ideen los, befreie sie aus deinem Vorhaben. Damit neue Impulse entstehen können. Und dann handle! Oder lass es sein… Handlung IST oder sie IST nicht. Entweder du handelst JETZT, oder du handelst nicht.

Folge deinen Impulsen, wenn du ihnen zu folgen bereit bist. Wenn du etwas verändern willst – ist es notwendig auch etwas zu tun! Und bist du nicht bereit dazu, oder fühlst dich dazu verpflichtet etwas anderes zu tun, dann hadere nicht mit dir. Verurteile dich nicht. Es ist belanglos! Gestatte deinen Impulsen die Freiheit zu sein und zu vergehen.

Richte stattdessen deine Aufmerksamkeit voll und ganz auf dein Tun im Augenblick. So steht dir dein gesamtes Energiepotential zu Verfügung.

Aber wie kann das funktionieren? Wie kann ich leben ohne ein Ziel? Ist das nicht auch gefährlich?

Du denkst, wenn du keine Ziele hast, bist du Tatenlos, unkoordiniert, verantwortungslos und landest irgendwann auf der Straße (wo wir wieder beim Sicherheitsdenken wären…)
Aber hast du es denn schon einmal versucht? Bewusst gesehen und erlebt, was passiert wenn du es tust? Ja, es ist mutig seine Ziele loszulassen und sich dem Leben voll und ganz hinzugeben. Doch es ist weit entfernt von Tatenlosigkeit oder Unüberlegtheit. Das Leben schickt dir ständig Impulse. Auch Impulse über Dinge die du tun „musst“. Wie den Haushalt zu erledigen, einkaufen und arbeiten zu gehen… Es sind sogar so viele Impulse, dass du dich damit überfordert fühlen kannst. Aber es ist nicht nötig, jedem Impuls zu folgen. Lass diejenigen los, die du im Moment nicht ausführen kannst/willst. Mach sie nicht zu einem Vorhaben. Tu was du tust. Und handle mit jeder Faser deines Seins.

Es ist die Wahl, welchen Impuls du im Augenblick folgen möchtest, die deine Erlebnisse bestimmt. Dann erschaffst du mit jedem Schritt und jedem Atemzug deinen Weg im Hier und Jetzt. So bist du immer Selbstbestimmt. So verwirklichst du dich immer – in jedem Moment – selbst. Selbstverwirklichung ist eine Lebensweise, die nur in der Gegenwart stattfinden kann.

Du hinderst dich selbst daran zufrieden zu sein, weil du denkst, dass Zufriedenheit gleichzusetzen ist mit Stillstand. Denn wenn du zufrieden bist, warum solltest du dann etwas ändern? Warum dann überhaupt noch etwas tun?

Es stimmt – wenn du zufrieden bist, MUSST du nichts mehr verändern. Deine Taten geschehen nicht aus dem Motiv der Veränderung heraus. Sie geschehen aus deinem inneren „Ist-Zustand“. Und so führen sie automatisch die Veränderungen herbei, die deinem Innersten entsprechen. Denn das Leben ist von Grund auf „eine Veränderung“ und ein Ausdruck deines Seins. Es existiert nichts, dass nicht irgendwann seine Form ändert.

Mit dem im Einklang zu sein „was ist“ – Die Liebe zum Leben in all seinen Aspekten, zu deinen Mitmenschen, der Natur, den Tieren – zu dir Selbst. Allein DAS schafft Taten, die aus der Fülle des Lebens stammen und Fülle hervorbringen. In dem Moment, in dem du das, was du tust nicht aus Liebe und mit offenen Herzen tust, scheint dir dein Tun sinnlos. Negative Gefühle verschließen meist dein Herz. Doch denke nicht, es wäre besser keine negativen Gefühle zu empfinden.  Versuche nicht sie zu vermeiden. Jedes Gefühl ist wichtig. Ein „verhindern wollen“ negativer Gefühle würde wieder ein neues Ideal erstellen. Sei dir bewusst: Es gibt keinen bestimmten Umgang mit Gefühlen, Gedanken, Taten. Jede Methode die du dir zurecht legst, erschafft ein Ideal. Denn eine Methode hat den Sinn und Zweck ein Ergebnis hervorzubringen.

Verstehe, dass es nicht darum geht, etwas Bestimmtes zu tun oder zu werden. Sondern jeden Moment neu zu wählen was du TUST, und wer du BIST! Und es voll und ganz zu TUN und zu SEIN! Hier liegt unmittelbare Lebenskraft und unzähmbare Freude.“

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