Zurück in die Vergangenheit…

Erst vor kurzem bei einem Spaziergang wurde ich mir eines Programmes in mir bewusst. Eines seeeehr alten Programmes. Kennt ihr das?

Ein „falscher“ Blick eines Anderen und eine Lawine an Gefühlen, Gedanken und Interpretationen werden ausgelöst. Wie auf Autopilot reagiere ich und Schritt für Schritt entwickelt sich die Situation – eskaliert – und übrig bleibt… Ein aufgewühltes, völlig verzweifeltes, in Selbstmitleid badendes kleines Mädchen… Als ich dann heulend, in mich versunken, wütend und traurig zugleich weiterging, mein Herz zutiefst schmerzte und ich nicht mehr ein noch aus wusste – weil ich doch KEINE AHNUNG hatte was da gerade passiert ist!!! – Gab es einen Augenblick in dem etwas in mir „Halt“ sagte und für diesen Augenblick war es, als würde ich mich selbst von Innen heraus beobachten. Und mit einem Mal wurde ich mir absolut BEWUSST was hier passiert ist. Nein – dieses Gefühl ist absolut nicht neu.  Ich kenne es sogar schmerzlich gut. Ich erinnerte mich an mehrere solcher Situationen in meiner Jugendzeit… Zurückversetzt in die Vergangenheit fühlte ich den Schmerz und gab ihm Namen:  „Ausgestoßen – ausgegrenzt – abgelehnt werden, nicht akzeptiert, nicht gut – so wie ich bin“. Ich kannte dieses Gedankenmuster schon – aber in dieser Art und in dieser Intensität bin ich ihm noch nicht (wieder)begegnet. Es war eine schockierende Erkenntnis, dass dieser heftige Schmerz und all das, was innerhalb von nicht einmal 10 Minuten in mir stattgefunden hatte, auf eine alte innere Verletzung zurückzuführen war. Wie mich solch eine „Schattenseite“ dazu führt bestimmte Dinge zu denken, zu reagieren und Situationen immer wieder zu erleben… Und dass ich genau DAS – BEWUSST – noch einmal durchleben MUSSTE um das Programm zu erkennen und – vor allem – um den Schmerz erlösen zu können…

Ich und mein Herz hatten sich beruhigt… Ich konnte die Natur um mich herum wieder wahrnehmen. Sie tröstete mich mit ihrer Vielzahl an Leben welches unbeirrt herumschwirrte und krabbelte. Die wärmenden Sonnenstrahlen umarmten mich geradezu, der Wind streichelte mich, trocknete meine Tränen und so lies ich mich weiter tragen und leiten… Zurück aus der Vergangenheit blieb ich jedoch hartnäckig und hörte nicht auf zu hinterfragen, weil ich wusste, dass da noch „mehr“ ist und es wichtig ist, die „richtigen“ Fragen zu stellen. Nach einiger Zeit lauten Selbstgespräch’s und ein paar kleinen geistigen Umwegen waren sie da: „In welcher Weise akzeptiere ich mich selbst nicht? Wo grenze ich mich selbst aus?“ Es sind für mich keine neuen Gedankengänge, aber anscheinend wollte etwas in mir (das liebe Ego?) sich manche Fragen nicht ohne weiteres stellen. Ich durchdachte die letzten Tage & Monate und erkannte, dass es momentan einen wichtigen Punkt in meinem Leben gibt, in dem ich mich selbst nicht akzeptieren konnte und mich dadurch auch selbst aus- und begrenzte: Den Ausdruck meiner Kreativität.

Ich sage von mir Selbst immer wieder das ich „kreativ“ bin. Für mich bedeutet Kreativität unter anderem auch „Etwas durch mich entstehen zu lassen“. Ich arbeite seit vielen Jahren im Grafischen Bereich und diese Art des „kreativ seins“ ist für mich schon alltäglich. Nur privat, in den Bereichen in denen ich noch nicht soviel Erfahrung habe, hadere ich immer wieder mit mir – durch meine hohen Ansprüche an mich selbst und an das was „dabei rauskommen soll“. Meine Musik, meine Bilder und Texte müssen mindestens „so gut“ sein wie die von Anderen um in meinen Augen bestehen und anerkannt werden zu können. Und wenn dann noch die Meinung von Anderen dazukommt oder ich mir nur vorstelle was andere dazu sagen könnten… Nein, nein. Lieber erst gar nicht anfangen.
Ich raube mir selbst jegliche Energie und Tatkraft – ganz zu schweigen von der Freude am „einfach tun“. Ich habe ALLES was ich brauche um Musik zu machen, um zu malen oder zu schreiben – aber ich beginne nicht. Ich fühle mich wie gelähmt aus Angst und dem Glauben daran, dass es wieder „nichts wird“. Aus Angst davor Fehler zu machen, die mir ja doch nur wieder zeigen, dass ich das „einfach nicht kann“. Ich kann meinen derzeitigen „Wissens- und Könnens-Status“ in diesen Bereichen nicht akzeptieren.  Bin mir selbst nicht gut genug – und nehme mir damit die Chance zu lernen und zu wachsen. Also ehrlich… Wie be-hindert ist das? Da bin ich raus aus der Schule – weg von den „bösen“ Buben, habe einen herzverbundenen Partner an meiner Seite (der mir zwar auch so manchen Nerv raubt – aber ihn meistens wieder zurückgibt. :-D), viele gute Freunde, eine liebevolle Familie, eine schöne, große Wohnung mit viel Platz um all das zu tun, was ich mir schon immer gewünscht habe und dann be-hindere ich mich selbst? Früher hatten andere die „Aufgabe“ mich zu begrenzen, mich zu miss-achten und klein zu halten. Will ich diese Aufgabe jetzt wirklich selbst übernehmen? Nach dem Motto: „Willst du etwas richtig machen – mach es selbst“?  Nein! Ganz bewusst sag ich jetzt „Nein“! Möglich, das mich das Leben noch öfter ob meiner Entscheidung prüfen wird. Möglich, dass ich noch öfter in meine eigenen Fallen tappe…. Aber ich weiß, dass ich einen großen Schritt weitergekommen bin.

Am nächsten Tag rutschte mir ganz „zufällig“ ein schon lange gekauftes Buch wieder in die Hände. Es heißt „Bilder als Sprache der Seele“ von Linda Briendl.
Eine der Übungen habe ich noch an diesem Abend gemacht. Es geht darum, seine eigene Kreativität wieder zu finden. Frei von Bewertung einfach zu malen um die momentanen Gefühlen auszudrücken. Ich hab meine Lieblingsmusik aufgedreht, ein paar Kerzen angezündet und gemalt. Ich wollte bewusst kein Licht machen um alles genau zu sehen und habe mich vielmehr in die Bewegung der Hände und das Fühlen der Pastellkreide unter meinen Fingern fokussiert. Das Ergebnis ist das Titelbild dieses Beitrages. 🙂 In diesem Sinne:

DANKE an meinen Liebsten für seine „falschen“ Blicke.
DANKE an mein Innerstes, welches mir dieses Programm so ausführlich und in der nötigen Härte gezeigt hat.
Und DANKE vor allem für diese erste „Befreiung“.